Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Verzweiflung!

Falter & Meinung | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Es gibt Themen, die uns nicht zu verlassen scheinen. Medienpolitik und die Rolle des ORF zum Beispiel. Oder Jeannée. Oder beides. Darf ich ausnahmsweise meinen Kommentar zitieren, der damals noch nicht „Seinesgleichen geschieht“ hieß? Danke. „Haben Sie am Sonntag nicht Jeannée gelesen?“, stand da, der Kommentar begann mit einem kleinen fiktiven Dialog. „Hab ich. – Und? Ist das nichts? rehabilitiert den Nazi-Helden Otto Skorzeny, beschreibt ihn so:, Einer, der nicht lange fragt und fackelt, wenn ausbricht, was ihm im Blut liegt: Krieg.‘ Na? – Was kann ich dafür, dass dem Jeannée ausbricht, was ihm im Blut liegt? Außerdem, bin ich ein Hautarzt?“

Der Dialog ging dann über in einen Veranstaltungsbericht, geredet wurde über Medienpolitik. Der Publizistikprofessor Wolfgang Langenbucher sagte der SPÖ, sie gebe sich selbst auf, und warf dem Parlament vor, es lasse sich Medienpolitik vom ORF und von den Zeitungsherausgebern diktieren. „Er träumte von der, kulturpolitischen Hegemonie‘ der Linken, um die es in der Medienpolitik gehe, gar vom kulturpolitischen Selbstbehauptungsprozess Europas.“ Davon lässt sich heute genauso gut träumen (vgl. S. 5, 21) wie damals.

Rudolf Burger setzte noch einmal der Grün-Debatte eins drauf und reflektierte in einem Essay über grüne Politik im Posthistoire. Die Menschen atmen auf, „indem sie die Vergangenheit begraben, werden sie die Verpflichtung auf Zukunft los. Das ist eine enorme Entlastung, aber auch ein Sieg der Banalität – nur, wer würde heute mit Nietzsche sich mokieren über jene letzten Menschen, die das Glück gefunden haben und dabei blinzeln?“

Ganz ohne Helden geht es freilich nie, also brachten wir zum Wienkonzert der Einstürzenden Neubauten ein Interview mit deren Star Blixa Bargeld, gemacht von Thomas Diener an einer „schummrigen Sushi-Bar“. Bargeld stand da, „mit der filterlosen Gitane im Mundwinkel“, und sagte Sachen wie „Die Verzweiflung über Deutschland muss größer werden.“ aT


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