Meinesgleichen Der eleganteste Verlierer der Welt

Falter & Meinung | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Der Schriftsteller David Foster Wallace hat über ihn einen berühmten Text im Sportteil der New York Times geschrieben: „Federer as Religious Experience“. Darin beschrieb er, was er „The Federer Moment“ nannte: einen Augenblick, „da einem das Kinn klappt, die Augen hervortreten und man, vor dem Fernseher sitzend, solche Geräusche ausstößt, dass die Gefährtin besorgt aus dem Nebenzimmer herbeieilt.“

Im Finale der US-Open, das Roger Federer gegen Juan Martin del Potro, einen 20-jährigen Argentinier, am Montag spielte, gab es gleich am Anfang wieder so einen Moment. Scheinbar aussichtslos diagonal aus dem Platz getrieben, brachte Federer den Ball eben noch zurück, sodass sein Gegner ihn nur mehr longline spielen musste, wo sich der leere Platz auftat. Doch wie aus dem Nichts tauchte Federer im Sprint genau dort auf und zirkelte den Ball, den kein anderer mehr erreicht hätte, unerreichbar cross am verdutzten Del Potro vorbei. Schönheit hatte gegen Kraft gesiegt. Nicht dass Federer kraftlos spielen würde, nein, seine Aufschläge und seine Vorhand gehören zu den schnellsten von allen Profis.

Aber sein Spiel verzaubert eben nicht durch Kraft, sondern durch koordinierte Eleganz. Nie würde er ein ärmelloses Hemd tragen, um seine Oberarmmuskeln zu zeigen. Er stöhnt nicht, kaum je brüllt er seinen Frust heraus, nie seinen Triumph. Federer repräsentiert den Sieg der Spielkultur über die rohe Gewalt. Selbst wenn er, wie letzten Montag, das Spiel am Ende verliert. F

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