Kommentar Michael-Jackson-Tribute

Ein Konzert scheitert – und alle sind Verlierer

Falter & Meinung | Joseph Gepp | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Was der Wiener ohnehin von Anfang an gewusst haben will, vergangenen Freitag wurde es Realität: Das vollmundig angekündigte Michael-Jackson-Tribute-Konzert ist vorläufig abgesagt. Es soll 2010 stattfinden, in London.

In Wien sei man ständig mit negativen Schlagzeilen konfrontiert gewesen, sagt Veranstalter Georg Kindel. Das hätte schließlich sogar die zu organisierenden Stars im fernen Amerika verschreckt. Und schließlich sei das Konzert sogar zur Politaffäre pervertiert worden, rund um angekündigte 600.000 Euro Rathaussubventionen.

Wobei man die Sache auch umgekehrt sehen könnte: Vielleicht erwies sich die innovationsfeindliche Raunzerei des Wieners diesmal als gesunder Realitätssinn. Denn in wenigen Wochen Weltstars wie Madonna und U2 aufzustellen, ist schlicht unmöglich. Kindel erwähnte in einem Nebensatz, dass man möglicherweise die übervollen Terminpläne der aufzutretenden Künstler unterschätzt habe. Aber die Hauptschuld gab er eindeutig der Wiener Motzmentalität.

Die Moral all dessen? Der Veranstalter, dessen Ruf nun gehörig angekratzt ist, sollte seine großspurigen Ankündigungen nur dann von sich gegen, wenn auch ein Hoffnungsschimmer auf ihre Realisierung besteht. Die Konzertbesucher sollten nicht bei jedem Medienhype ihre Kreditkarte zücken – hätte das Konzert mit No-Names stattgefunden, dann wäre kein Konsumentenschützer bei der Rückforderung der horrenden Eintrittspreise zu Hilfe geeilt.

Und das Rathaus sollte festlegen, welche Veranstaltungen es mit Steuergeld zu fördern gedenkt – und nicht nach der ersten negativen Krone-Schlagzeile zum eiligen Rückzug blasen. F


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