Mediaforschung Nachfragekolumne

Wieso turtelt ein schwules Paar in Ihrem Katalog, Herr Zinner?

Medien | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Das sind zwei Freunde, die gerade ihr Wohnzimmer fertig gebaut haben. Ich lasse es den Kunden über, was das für sie bedeutet“, erklärt Josef Zinner, Pressesprecher für Hornbach Österreich, das Werbesujet auf Seite 36 im neuen Katalog. Zwei Männer stehen dort umschlungen vor ihrem neuen Wohnzimmer, das neu eingerichtet ist. Den Boden haben sie selbst verlegt.

Bereits seit zwei Jahren setzt der Baumarkt in seiner Werbung auf Minderheiten. Zum Start gab es die „Helden-Kampagne“, in der zwei schwule Männer vorkommen, die ihre Küche montieren. Darunter der Satz: „Du kannst alles sein, nur nicht ungeschickt.“ Auch Migranten, dicke oder alte Menschen werden im Hornbach-Alltag abgebildet.

Es ist egal, woher du kommst, es ist egal, wer du bist. Es kommt darauf an, was du kannst, lautet die Devise. „In der Welt des Do-it-Yourself sind nach unserer Auffassung alle Menschen gleich, und ihre Gemeinsamkeit ist die Leidenschaft fürs Heimwerken“, so der Marketingchef Jürgen Schröcker.

2,5 Millionen Prospekte wurden in Österreich verteilt, bisher gab es drei Rückmeldungen an Josef Zinner. Zweimal wurde die Hornbach-Realität gelobt, einmal ereilte Zinner eine andere Realität: Wie könne Hornbach mit einer Gruppe werben, die Aids verbreite?

„Das war primitiv, darauf habe ich nicht reagiert“, sagt der Pressesprecher. Man wolle einfach den Alltag darstellen, wie er ist. Es wäre auch nicht authentisch, wenn Models mit Krawatte und goldener Uhr eine Wand verspachtelten. Es posieren verschwitzte Menschen im blauen Overall, mit schmutzigen Fingernägeln. Und es betrachten Menschen, darunter Homosexuelle, stolz ihr getanes Werk. Das ist ganz normal. Zumindest im neuen Hornbach-Katalog. Anna Sawerthal


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