Ein Vermeer für Adolf Hitler

Muss ein Hauptwerk des Kunsthistorischen Museums restituiert werden?

Feuilleton | Ahnenforschung: Matthias Dusini | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Vielansichtigkeit. Die Kunsthistorikerin Marena Marquet verwendet diesen Begriff, um den Studierenden die Qualität von Jan Vermeers „Die Malkunst“ zu erklären. Die modellsitzende Frau ist von vorne zu sehen, der Maler von hinten. An der Wand hängt eine Landkarte, gerahmt von Stadtplänen. „Und wieder hat man zwei Ansichten.“

So manches Kunstwerk österreichischer Museen wurde in den vergangenen Jahren aus neuer Perspektive betrachtet. Tausende Werke waren den jüdischen Eigentümern von den Nazis abgepresst worden und befanden sich zu Unrecht im Eigentum der Republik. Spektakulärster Fall war Gustav Klimts „Goldene Adele“, die 2006 vom Belvedere an die Verwandten des Sammlers Ferdinand Bloch-Bauer zurückerstattet wurde. Nun wackelt ein weiteres Juwel in der Krone der Kulturnation: Vermeers „Malkunst“ ist eines der Hauptwerke des Kunsthistorischen Museums (KHM).

Anfang September bekam das Museum Post von Andreas Theiss, der Mitglieder der Familie Czernin vertritt. Darin


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