Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Sturm

Passend zur Jahreszeit kommt der Sturm im Wasserglas

Stadtleben | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Früher haben sie nur in Wirtshäusern oder beim Heurigen die Plakate in die Fenster gehängt, dass es jetzt wieder Sturm gäbe. Heute stürmt es längst auch in den schicken Bobohütten: Der jüngste Wein ist da – und Aperolspritzer ist so was von letzte Saison!

Ab einem Prozent Alkoholgehalt heißt hierzulande der gärende Traubenmost Sturm. Wegen des – stets vorhandenen – Alkoholgehalts ist Sturm auch nichts für Kinder. Verkauft wird er in Supermärkten, aber auch beim Weinbauern auf dem Markt in halboffenen Flaschen (aufpassen beim Transport!). Im Kühlschrank hält sich der Sturm mit Alufolie statt Stoppel ein paar Tage lang, wenn der Zucker zu Alkohol wird, schäumt’s und sprudelt’s in der Flasche ganz schön, meist ist die eh rasch leer. Es gibt weißen und roten Sturm und den roséfarbenen Schilchersturm. Je nach Gärgrad ist der Sturm entweder fruchtig-süß, wunderbar reif oder schon sehr „staubig“ und als solcher nicht zu unterschätzen.

Nein, das ist kein liebes Safterl, das da so milchig-trüb ins Glas fließt. Es trinkt sich aber fast so, und plötzlich ist man ganz schön angetrunken. Kenner können schon jetzt beim Sturmtrinken erkennen und erschmecken, wie sich der aktuelle Weinjahrgang so entwickeln wird.

Und natürlich gibt es zum Jahreszeitgetränk auch das passende Essen. Zwiebelkuchen zum Beispiel, heiße Maroni, Speckjause oder andere Deftigkeiten. Aber nicht vergessen: Fast jedem Sturm folgt kurz darauf ein Drang. cw


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