Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Warum er gerockt hat

Steiermark | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Man kann die Entscheidung von Landeshauptmann Franz Voves, die SPÖ-Regierungsriege ein Jahr vor der Wahl ein wenig zu liften, unter wahltaktischen Gesichtspunkten nachvollziehen. Sachpolitisch besehen und bezogen jedenfalls auf die Kultur, war sie eine eklatante Fehlentscheidung. Denn Kurt Flecker, der nächste Woche in das Landtagspräsidium wechseln muss, hat seine Sache als Kulturlandesrat ausgezeichnet gemacht. Seltsam, dass dergleichen keine Rolle mehr spielt. Flecker hat der Kulturpolitik des Landes jedenfalls ein klares Profil verpasst, hat sich für „Kultur als Alternative zur Konsumgesellschaft“ und gegen den Quotendruck ausgesprochen und diese Haltung in konkrete, auch riskante Maßnahmen gegossen, die das kulturelle Leben der Steiermark noch über Jahre prägen werden. Die Regionale, die neue Kunstbiennale für Zeitgenössisches am freien Land, die an Stelle der früheren Landesausstellungen trat, ist dafür das sinnfälligste Beispiel.

Flecker hat aber auch das Kulturförderungsgesetz mit Leben befüllt, sich – mit Ausnahme der styriarte-„Klangwolke“, die er befürwortete – an die Empfehlungen seiner Beiräte gehalten, die Förderung von Kunstfilm und Kunst im öffentlichen Raum auf nachhaltige Beine gestellt, die Kultur Service Gesellschaft des Landes weitgehend auf die Rolle eines Dienstleisters reduziert, die Ateliers im Rondo ermöglicht, dem steirischen herbst und Dutzenden freien Initiativen mit Zusatzförderungen das Überleben ermöglicht und gegen alle Widerstände das Joanneumsviertel durchgetragen. Sein persönliches Faible für die Rockkultur, ausgelebt in den „Rockin’ Movies“ oder dem „Woodstock“-Festival, mag man ihm da gerne verzeihen. F


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