Kritiken Musiktheater

Askese und Begehren: Britten vertont Mann

Lexikon | Andreas Dallinger | aus FALTER 39/09 vom 23.09.2009

Benjamin Brittens letzte Oper „Death in Venice“, nach der Novelle von Thomas Mann, ist ein enormer Monolog von holzig-feingemaserter Textur. Gespiegelt in der Figur des Schriftstellers Aschenbach reflektiert Britten Künstlertum, Askese, Begehren und Homosexualität. Aschenbach vertrocknet beobachtend und handlungsunfähig in Selbstdisziplin und Triebsublimierung am Rande des Lebens. Die Wiederbegegnung mit der Leidenschaft in Gestalt des schönen Knaben Tadzio liefert ihn Gefühlen aus, an denen er hilflos, ja lächerlich zerfällt. In der Neuproduktion im Theater an der Wien setzen Ramin Gray (Regie) und Jeremy Herbert (Bühne) alle Aspekte in reduzierte, fein destillierte Aktionen und Bildern um, wunderbar dicht an Textvorlage und Musik. Diese ist bei Donald Runnicles und dem RSO-Wien in allerbesten Händen. Und mit Kurt Streit steht ein Aschenbach von unübertrefflicher Dimension auf der Bühne. Im Spiel trocken, verklemmt, im Gesang ein Klang- und Ausdrucksideal in allen Schattierungen.

Theater an der Wien, So 19.00 (zum letzten Mal)


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