Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 39/09 vom 23.09.2009

Gott ist aus seiner Fernsehpause zurück und macht gleich Ärger. Harald Schmidt ließ in seiner neuen Late-Night-Show (ARD, Do 22.50 Uhr) eine Fotomontage einblenden, in der die Agentur für Arbeit zu sehen war. Davor: ein Torbogen mit der Aufschrift „Wachstum schafft Arbeit“. Eine Anspielung auf das KZ Auschwitz, auf dessen Torbogen die Aufschrift „Arbeit macht frei“ prangte. Und Deutschland ist in Aufruhr, von der Bild bis zum Zentralrat der Juden fordern alle: Das alte Lästermaul soll sich gefälligst entschuldigen! Jetzt einmal davon abgesehen, dass Schmidt ein Meister der kalkulierten Provokation auf hohem Niveau ist – diese Reaktionen zeigen wieder einmal, wie unterschiedlich die deutsche und die hiesige Öffentlichkeit mit dem NS-Thema umgehen. In Deutschland darf ein Entertainer keinen geschmacklich fragwürdigen Witz über KZs machen. In Österreich kann ein FPÖ-Nationalratspräsident den Chef der jüdischen Kultusgemeinde einfach „Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus“ schimpfen und darf bleiben.


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