Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 39/09 vom 23.09.2009

Wo bleibt denn da der Vertrauensvorschuss?

Hatte man früher touristisch frequentierte Zonen zu durchqueren, musste man ein bisschen Zeit mitbringen. Fremde Menschen drückten einem Fotoapparate in die Hand, can you take a picture, please? Das war vor Digital. Heute muss man niemanden mehr fotografieren, ungern überlassen Fremde einem die teuren Kameras. Experten sollten einmal untersuchen, ob Fotos mit Paaren vor Sehenswürdigkeiten drauf weniger, die mit Einzelpersonen mehr geworden sind. Traurige Urlaubsfotos. Aber man lässt ja auch während des Einkaufs keine Kinder mehr in Kinderwägen vor Geschäften stehen. Räder werden mit schweren Stahlschlössern versperrt (erinnert sich noch jemand an diese Speichenschlösschen?). Sogar Hundebesitzer fürchten, dass ihr Tier abhandenkommt, wenn sie es einen Moment wo anbinden, wir müssen draußen bleiben. Trotz Dackelblick. Böse Welt. Unlängst jedoch überließ dem Autor dieser Zeilen ein amerikanisches Touristenpaar seine teure Digitalkamera (a picture, please ...). Kurz blitzte die Idee auf, damit wegzurennen. Aber nur ganz kurz. Lächeln!


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