Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: der Leichtschnaps

Stadtleben | aus FALTER 39/09 vom 23.09.2009

Edelbrandgenuss ohne unedle Rauschgefahr

Es gibt ja nicht viel, was gegen einen schönen Schnaps am Ende eines Essens oder zwischendurch oder überhaupt spricht. Denn die Destillate, die derzeit in Österreich gebrannt werden, sind so ziemlich das Beste, was man aus den Früchten des klimatisch zweifellos bevorzugten Voralpenraums machen kann, abgesehen davon, dass Österreichs Brenner definitiv zu den versiertesten ihrer Art zählen. Das Blöde halt: Man wird so blunzenfett drauf, schaut blöd, spricht wirr und kann den Abend überhaupt ein bisserl vergessen.

So nicht!, sprachen zwei der allerbesten Schnapsbrenner des Landes, der oberösterreichische Hans Reisetbauer und der südoststeirische Alois Gölles und erarbeiteten über zwei Jahre ein Verfahren, Edelbrand leichter zu machen. Wobei „leichter“ natürlich heißt, ihn mit mehr Wasser zu verdünnen, was ja noch nicht so schwer wäre. Die Herausforderung bestand aber darin, dass der Edelbrand dann noch immer nach was schmeckt, und zwar ohne irgendwelche Zusätze und ohne dass, wie bei solchen Verdünnungen normalerweise unvermeidlich, diverse Fehltöne in den Vordergrund treten.

Also tüftelten sie, optimierten alle Arbeitsschritte und schafften es, sechs Edelbrände – Marille, Zwetschke, Granny Smith, Williamsbirne, Herzkirsche und Muskattraubentrester – mit nur 25 Prozent Alkohol, aber erstaunlicher Fruchttiefe zu bekommen. Einsatzgebiet soll vor allem der Cocktailbereich sein, der Marillen-Leichtbrand macht aber auch pur ziemlich viel Spaß. FH


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