Kritiken

Boulevardkomödie ohne doppelten Boden

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Michael Maertens, Dörte Lyssewski und Roland Koch spielen Kleist

Nach der enttäuschenden Eröffnungsproduktion („Faust“) und einer witzigen Thomas-Bernhard-Inszenierung („Immanuel Kant“) gehen die Matthias-Hartmann-Festwochen mit Heinrich von Kleists Komödie „Amphitryon“ weiter. Dem Feldherrn Amphitryon wird von Jupiter ein übler Streich gespielt: Der Gott schlüpft in die Gestalt des Sterblichen – und ins Bett von dessen Gattin Alkmene. In der Verwechslungskomödie steckt ein existenzielles Drama über die filigrane Konstruktion der menschlichen Identität – am Ende weiß Amphitryon buchstäblich nicht mehr, wie er heißt. In seiner extrem konventionellen Inszenierung, die in Zürich 2006 Premiere hatte, interessiert sich Hartmann allerdings kaum für die Abgründe der Geschichte; stattdessen tut er so, als hätte Kleist eine Boulevardkomödie geschrieben. Das funktioniert nicht, obwohl sich Michael Maertens in der Titelrolle und Fabian Krüger als Diener Sosias alle Mühe geben. Ach!

Akademietheater, Sa 19.30, So 19.00


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