Kritik

Malerei, wo stehst du heute?

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Kunsttheoretische Etiketten treffen nicht immer ins Schwarze. Sie sind Verständigungsvokabel, die man benützt, weil sie sich nun mal eingebürgert haben. Über Malerei zu reden war in der Vergangenheit dennoch viel einfacher als jetzt. Für die „-ismen“ des 20. Jahrhunderts konnte man ohnehin sämtliche Nachschlagwerke befragen. Der Stilpluralismus seit der Jahrtausendwende macht es zunehmend schwieriger, den gegenwärtigen Status des Mediums abseits lokaler Ausprägungen zu erfassen. Denn das formale Repertoire der Moderne aufzugreifen, ist nur eines unter vielen Phänomenen, das sich seit einiger Zeit abzeichnet. Im Großen und Ganzen ist Malerei mehr denn je eine offene Recherche im visuellen Gesamtkomplex.

Dass es vielleicht gerade deshalb an der Zeit ist, das Medium erneut zur Diskussion zu stellen, zeigt die Galerie Layr:Wüstenhagen in ihrer im Jänner begonnenen Ausstellungsreihe „In Memory of Painting“. Nach Franz Amann und Rita Vitorelli präsentieren nun Nikolas Gambaroff, Keegan McHargue und Heimo Zobernig aktuelle Arbeiten. Während McHargue kunsthistorische Referenzen zu visuellen Informationsclustern zusammenführt, schafft Gambaroff unter Rückgriff auf Texte und grafische Elemente ein kaum zu dechiffrierendes Bildprogramm. Heimo Zobernig ist da schon viel konkreter: Das Potenzial dichten Farbauftrags à la Herbert Brandl erforschend, konfrontiert er das von ihm gemalte Bild gleich mit einem des Kollegen. Vage formuliert vereint ein analytisch-konzeptueller Zugang die gezeigten Positionen. Und solange niemand anderes ein treffenderes Vokabel dafür findet, kann man das ja mal so stehen lassen.

Layr:Wuestenhagen Contemporary, bis 31.10


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