KunstKritik

Kreuzungen von Bild, Text und Textil

Steiermark | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Will ein kubanischer Künstler ins Ausland reisen, verhält er sich besser systemkonform. Kubanische Künstler arbeiten dann im Ausland am liebsten unterschwellig kritisch, wehren sich auch kaum gegen ein Transponieren ihrer Inhalte in ein mittlerweile gänzlich unpolitisches Metier. So geschehen anlässlich des von Akademie Graz, Fashion Group Pell Mell und Afro-Asiatischem Institut organisierten Austauschprogramms, das sechs kubanische Künstler und Designerinnen mit steirischen Kollegen zusammenbrachte. In kleinen Teams wurde gearbeitet, wurde interkultureller Austausch in interdisziplinärer Form gepflegt. Herausgekommen ist dabei „Crossing Cultures_Cuba“, eine Ausstellung in der ehemaligen Elektrowerkstatt der Brauerei Reininghaus, in welcher Martin und Max Gansberger bildende Kunst aus Kuba mit charmant verfallender Industriearchitektur und Werken aus Österreich abmischten. Und eine Fashionshow, die zeigte, dass Kunst und Mode sinnvoll aufeinander reagieren können. Also fanden sich etwa die Texte, die Hamlet Lavastida Cordovi der sozialistischen Propaganda entnimmt, um sie via Neukontextierung bloßzustellen, nicht nur auf Ausstellungswände gesprayt, sondern auch auf die Stoffbahnen, mit denen das Label Anzüglich seine Kleider macht. Und Ernesto Leal Basilios Technik, Texte in Überblendungen zu verfremden oder, auf wenige Striche reduziert, karg an den Wänden wie Putzrisse hervortreten zu lassen, war auch Ausgangspunkt für Karin Wintscher-Zinganel (kay double U) und Yü-Dong Lin (Ni-Ly), die Beziehung von Text und Textil neu zu denken. UT

Reininghaus, Graz, bis 9.10.


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