Meinesgleichen

Paradoxes auch aus der Unesco

Falter & Meinung | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Neben dem Ägypter Faruk Hosni, der wegen israelfeindlicher Bemerkungen scheiterte, und der letztlich siegreichen Bulgarin Irina Bokowa war auch die österreichische EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner im Rennen um den Job der Unesco-Chefin gewesen. Sie zog ihre Kandidatur wegen Aussichtslosigkeit zurück. Bokowa habe sich „als Frau des Konsenses“ präsentiert, „auch die USA sollen sich am Ende auf ihre Seite gestellt haben. (…) Österreich hatte bereits nach dem Ausscheiden von Benita Ferrero-Waldner für Bokowa votiert“, berichtete der Standard.

Erhard Busek ließ sich mit der Bemerkung hören, Österreich habe zu wenig geschickt für Ferrero lobbyiert, sodass eine Altkommunistin den begehrten Job der weltweit höchsten Kulturbeamtin erhielt. Wenig später publizierte der Autor Ilija Trojanow zeitgleich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Standard zwei ungefähr gleichlautende Texte, in denen er die Wahl Irina Bokowas als „Hohn für die Opfer“ des Kommunismus bezeichnete; Frau Bokowa habe sich nie vom System distanziert.

Ist Österreich nur mangelnder Lobbyismus vorzuwerfen oder auch, dass es ohne Sensibilität auf die falsche Kandidatin gesetzt hat? Vermutlich beides, aber ein dritter, auf der Hand liegender Vorwurf ist nie aufgetaucht: nämlich der, dass der selbsternannte Kulturstaat Österreich niemand Besseren als Frau Ferrero-Waldner zu präsentieren hatte, von deren kulturpolitischer Kompetenz nichts bekannt ist.

Quellen:

Standard vom 22. und 25.9.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.9.


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