Eine Kanzlerin ohne Eigenschaften

Falter & Meinung | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Der deutsche Wahlkampf war Postideologie pur, jedoch das Resultat beweist die Rückkehr des Lagerdenkens

Kommentar: Robert Misik

Erst gibt es Wahlkampf, dann wird gewählt, dann gibt es ein Wahlergebnis. Und dann wundert man sich bisweilen, wenn Wahlkampf und Resultat in einem seltsamen Kontrast stehen. Das Ergebnis der deutschen Bundestagswahl ist ein solches Ereignis. Und das, obwohl es ja nicht einmal überraschend kam: Dass es für die Unionsparteien und die Freidemokraten zu einer Regierungsmehrheit reichen dürfte, wurde allgemein erwartet.

Und doch gibt es einen erstaunlichen Kontrast zwischen der Unentschiedenheit im Wahlkampf und der Entschiedenheit des Resultats. Man muss die Bild-Zeitung nicht mögen, aber ihrem Urteil kann man kaum widersprechen: „Was die Politiker in einem verschwommenen Wahlkampf nicht geschafft haben – die Wähler haben es geschafft: Klarheit!“

Es gibt ja eine beliebte essayistisch-literarische Figur: den „Endismus“. Will man ein irgendwie gefühlt

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