Verlust des Sprechens, aber nicht der Sprache

Politik | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Der Spiegel-Journalist Jürgen Leinemann erzählt von seiner Krebserkrankung und – nebenbei – die Geschichte seines Deutschland

Rezension: Richard Wimmer

Demnächst werde ich sterben. Mit dieser Tagebucheintragung begann der österreichische Journalist Jörg Mauthe sein letztes Buch, in dem er sich auf berührende Weise mit seiner Krebserkrankung auseinandersetzte. Vom selben Schicksal getroffen, erzählt der Spiegel-Journalist Jürgen Leinemann von seiner eigenen Erkrankung: unverblümt und sehr persönlich.

Bereits in jungen Jahren steht Leinemann an der Spitze des deutschen Journalismus. In den frühen 70er-Jahren war er Büroleiter des Spiegel in Washington. Zuletzt leitete er das Ressort Deutsche Politik in Berlin. Er war stets umtriebig, ein Workaholic. Ein journalistischer Hüne, den nichts umhauen konnte. Bis zu seinem 70. Lebensjahr. Dann, 2007 die Diagnose: Zungengrundtumor.

Seine Krankheit erlebt er als existenzielle Erniedrigung. In den Monaten nach der Diagnose schleppt er

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