Gelesen

Bücher, kurz besprochen

Politik | Anna Sawerthal | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Die Lust am Zweifeln

Ein zorniger alter Mann schimpft über die furchtbaren Zustände der Welt. Alles ist schlimmer geworden: Der Neoliberalismus verseucht die Gesellschaft, die Demokratie ist am Ende, die Politik am Untergehen und die fetten Boni für die Manager – ein Skandal. Und die Öffentlichkeit? Die kriegt nur die Hälfte mit, weil ihr die nötigen Informationen vorenthalten werden. Der zornige alte Mann heißt Albrecht Müller, und er kennt sich gut aus. War er doch in den späten 60er-Jahren Redenschreiber für den deutschen SPD-Minister Karl Schiller, später enger Mitarbeiter von Willy Brandt und Helmut Schmidt. Der deutsche Sozialdemokrat ist – wie er selbst schreibt – „persönlich geprägt und beruflich vorbelastet“. Wenn er Zusammenhänge darlegt und erklärt, welche Faktoren die öffentliche Meinung bestimmen, weckt er die Lust, die gängigen politischen Botschaften zu hinterfragen. „Bei Akademikerinnen ist die Kinderlosigkeit besonders hoch.“ Welche Intentionen stecken hinter dieser Meinnugsmache? Wem bringt sie was? Und wie hoch ist die Kinderlosigkeit wirklich? „Wir haben einen Boom“, „Konjunkturprogramme bringen neue Schulden“, „Arbeitsplätze wandern ab“, „Der Sozialstaat ist schuld“ – Müller erklärt die Entstehung dieser Meinungen anschaulich und plausibel. Mitunter gelingt ihm das so gut, dass der Leser sogar beginnt, auch Müllers Text in Zweifel zu ziehen.

Albrecht Müller: Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen. Droemer, 448 S., € 19,95


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige