Technik

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Medien | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

N518: ein E-Book-Reader mit einer unsinnigen Idee

Prüfbericht: Thomas Vašek

Es gibt Hightechvisionen, die begleiten mich seit meiner Jugend – und sie funktionieren noch immer nicht gescheit. Zum Beispiel Handschrifterkennung. Ich erinnere mich noch an den Apple Newton, den ebenso gescheiten wie gescheiterten Ur-PDA. Mit einem Eingabestift konnte man Text auf den Bildschirm schreiben, und der Newton sollte die Handschrift in Drucktext umwandeln. Nun, was soll ich Ihnen sagen – haben Sie vom Apple Newton jemals wieder was gehört? Eben. Die wahren Nerds lassen aber nicht locker. Handschrifterkennung ist eine zu reizvolle, weil hochkomplexe Herausforderung. Und praktisch alle technischen Ideen kehren irgendwann wieder. Also hat jetzt Hexaglot, ein Hamburger Spezialist für Sprachencomputer, einen E-Book-Reader mit Handschrifterkennung (ca. 280 Euro) entwickelt. Damit kann man Textstellen einkringeln oder Notizen an den Rand schreiben. Ganz ehrlich, das ist wieder so eine Nerd-Idee. Warum soll ich mir ein digitales Buchlesegerät anschaffen, um dann erst recht wieder „analog“ auf dem Bildschirm herumzukrakeln? Kaum zufällig klingt der Modellname N518 ungefähr so sexy wie eine Festplatten-Seriennummer. Um es klar zu sagen: Handschrifterkennung ist eine tote Technologie. Weil die Handschrift sowieso ausstirbt. Der Verfall der Jahrtausende alten Kulturtechnik ist nicht zu stoppen. Was mein jüngerer Bruder so zusammenkritzelt, kann nicht mal ich mehr lesen. Der N518 wird es vermutlich auch nicht können.

Thomas Vašek war bis vor kurzem Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


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