Nüchtern betrachtet

Kranksein war früher auch irgendwie besser

Feuilleton | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Gewiss, blickt man auf die Erdbeerfelder der eigenen Kindheit zurück, stellt sich oft Verklärung ein. Nicht alles war früher besser. Manches aber schon. Traubisoda zum Beispiel. Oder Kranksein. Ich meine natürlich nichts wirklich Ernsthaftes oder Unangenehmes, bloß eine kleine Grippe oder eine Schulferne und Frühstück im Bett berechtigende Verkühlung. Man bekam dann frischgepressten Orangensaft, geriebenen Apfel oder einen Teller zimtbepuderten Grieskochs, in dem ein Stück Schokolade versteckt war und auf dem ein kleiner Buttersee schwamm – Kranksein wurde durch kleine kulinarische Ekstasen kompensiert, und wenn man Glück hatte, konnte man auch noch was Wildes im Schichtarbeiterprogramm sehen (junge Menschen dürfen mich gerne fragen, was das ist). Mir will gar scheinen, dass man kein Kopfweh hatte, sondern bloß eine gar nicht unangenehme Dumpfheit verspürte, so, als wäre das Gehirn


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