Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Lieben Sie Baustellen?

Die gute Nachricht: Graz wächst. Und das seit geraumer Zeit. Das ist eine untypische Entwicklung für eine mittelgroße Stadt in Mitteleuropa. Die schlechte Nachricht: Graz wächst, und niemand weiß wohin. Ein guter Indikator dafür ist die Unzahl an schmückenden Titeln, die sich die Stadt zugelegt hat. Eine Stadt, die weiß, wohin sie will, hat das nicht nötig. Eine Stadt, die weiß, wohin sie will, hat auch differenziertere Antworten auf die akute Frage, wie sie mit ihrem Speckgürtel und den dort schmarotzenden Einkaufszentren umgeht, als ihrerseits auf Erlebnisshopping zu setzen. Das ECE an der neuen millionenschweren Nahverkehrsdrehscheibe am Bahnhof wird weder die Probleme der Annenstraße und schon gar nicht die des Innenstadthandels lösen.

„Stadt plant Stadt“, hat Nagl zuletzt gesagt. Es war das erste Mal, dass er sich – im Haus der Architektur – in seiner Funktion als Bau- und Planungsstadtrat geäußert hat, die er vor einem halben Jahr übernommen hat. Und er hat überraschend dafür plädiert, dass sich Graz in die riesigen Reininghausgründe einkauft, nachdem ein privates Investorenprojekt ins Straucheln geraten ist. Das wird nicht einfach: Stadt plant Stadt – nur welche? In Sachen Stadtentwicklung ist Graz schlecht aufgestellt. Seit der „Wissensstadt“ rund um die Fachhochschule ist kein großer Wurf geglückt, das Amt für Stadtentwicklung wurde eingespart, die zuständigen Stadträte haben praktisch im Jahrestakt gewechselt, das im „Grazer Modell“ vorgesehene strategische Stadtforum ist totes Recht geblieben. „Ich liebe Baustellen“, hat Nagl im HdA außerdem gesagt. Sein neues Amt wird ihm viel Freude bereiten.


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