Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 40/09 vom 30.09.2009

Es müssen Fakten geschaffen werden

Man muss heutzutage nicht permanent einen Latte macchiato mehr in der Hand haben, um emsig und fleißig auszuschauen, aber es hilft. Jeder weiß: Trägheit ist eine der (fünf oder sieben) Todsünden, und es gilt sie zu bekämpfen, wo immer sie ihr hässliches Haupt erhebt. Und zwar muss man das tun, indem man Fakten schafft: zum Beispiel einen Abgabetermin ausmachen, bevor man den ersten Strich gemacht hat (der ja eh der leichteste ist, schwierig ist es, was zu Ende zu bringen). Oder: seine Matratze anzünden und aus dem Fenster schmeißen. Dieser Fall vom 4. Februar dieses Jahres ist übrigens noch immer nicht restlos aufgeklärt. Genauso wenig wie der Mopeddiebstahl in Fernitz und der Verlust meiner Bankomatkarte, die immer noch nicht gesperrt ist, auf Grund einer unerklärlichen, ja genau: Trägheit. Es ist nicht die Faulheit, die es laut Paul Lafargue zu genießen gilt, weil es eh nicht genug Arbeit gibt, sondern das Bore-out, an dem Menschen leiden, weil ihnen im größten Stress so unglaublich fad ist, dass sie wie gelähmt sind. Es müssen also Fakten geschaffen werden. Wie wäre es damit: In diesem Text ist ein Pin-Code versteckt. Es ist der Code meiner Bankomatkarte. Ich habe also noch knapp anderthalb Tage Zeit, die Karte sperren zu lassen, bevor der Dieb, der durchaus Falter-Leser sein könnte, Zugang zu meinem durch Arbeit angehäuften Vermögen bekommt. Die Chancen stehen insgesamt nicht sooo schlecht. Oder eigentlich doch. Mal schauen.


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