Kritiken

Nebenfiguren spielen Hamlet von hinten

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Was tun Nebenfiguren, die gerade nicht auf der Bühne sind? Sie verstehen nicht, was um sie herum vorgeht, quatschen mit anderen Nebencharakteren und werfen Münzen. Da die Zeit ohnehin „aus den Fugen“ ist, landen diese stets Kopf oben. In „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ (1967) erzählt Tom Stoppard die Geschichte vom Dänenprinzen Hamlet aus der Sicht von dessen simpel gestrickten Jugendfreunden. Bruno Max bringt diese frühe postmoderne Tragikomödie jetzt in die Scala. Der Clou: Die Besetzung entspricht derjenigen aus seiner feinen „Hamlet“-Inszenierung. Nun dürfen Bernie Feit und Leopold Selinger als Güldenkranz & Rosenstern (die verwechseln einander auch dauernd) die Hauptrollen in Wams und Pumphosen spielen – und machen das sehr gut. Die königliche Mischpoche hat völlig freie Hand, Claudius und Konsorten sind wie Parodien angelegt – auch lustig, aber ein Quäntchen zu klamaukig. Trotzdem ein gelungener Abend für zwei traurige Narren, die ihrem Schicksal nicht entgehen können (siehe Titel).

Scala, Fr, Sa, Di bis Do 19.45 (bis 21.10.)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige