Kritik

Frisch aus der Wortstatt: Stückwerk im Kabelwerk

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Zwei Schwestern warten gemeinsam mit einer amerikanischen Touristin stundenlang auf die Schnellbahn. Im Prater geraten zwei Hundebesitzer aneinander. Im AKH lernen sich zwei herzkranke Kosovo-Albaner kennen. In einem Pensionistenheim entdeckt eine Musikstudentin das dunkle Geheimnis einer alten Kammersängerwitwe. Vier Autorinnen haben im Rahmen des Dramatikerförderprojekts Wiener Wortstaetten Einakter geschrieben, die jetzt unter dem gemeinsamen Titel „Mein Wien“ aufgeführt werden. Mit der Inszenierung wurde nicht nur das von den Wortstaetten veranstaltete Festival Roter Oktober eröffnet, sondern auch das neue Kulturzentrum Palais Kabelwerk eingeweiht.

Mit seinen Sichtbetonwänden und Lüftungsrohren verströmt der Raum den Charme eines Hallenbads oder einer Turnhalle – eine Herausforderung, könnte man sagen. Der Abend hat allerdings ein gravierenderes Problem: Den Autorinnen ist nichts Gescheites eingefallen. Am besten ist noch der Beitrag von Ana Bilic, in dem der Streit zweier Hundebesitzer eine unglaubwürdige, aber schöne Wendung ins Romantische nimmt – zum Glück hat Regisseur Hans Escher den Schluss gestrichen und dem süßen Paar (Gundula Rapsch als Wiener Arztwitwe und Alexander Braunshör als Bosnier) auf diese Weise ein Happy End ermöglicht. Ingesamt hat Escher leider zu wenig weggelassen; mit fast drei Stunden ist der Abend überlang geraten.

Palais Kabelwerk, Fr 19.30 (bis 28.10.)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige