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Fahnenflucht? Über den Umgang mit Deserteuren

Lexikon | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Noch bis Donnerstag läuft im wiederöffneten Nestroyhof im zweiten Bezirk die Wanderausstellung „Was damals Recht war ... – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“. Darin wird an die mehr als 20.000 Soldaten und Zivilisten erinnert, die durch Unrechtsurteile der Wehrmachtsgerichte umkamen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der unrühmliche Umgang mit Deserteuren nach Kriegsende. Die österreichische Nachkriegsgesellschaft hat bekanntlich rasch den Mantel des Schweigens über Kriegsverbrechen von Wehrmacht und SS gestülpt und in den 50er-Jahren in eine heldenhafte Pflichterfüllung umgedeutet. Deserteure der Wehrmacht wurden als „Verräter“ und „Feiglinge“ ein zweites Mal stigmatisiert. Erst im Jahr 2005 kam es in Österreich zur teilweisen rechtlichen Rehabilitierung von Opfern der NS-Militärjustiz durch das sogenannte Anerkennungsgesetz. Begleitend zur Ausstellung referiert Klaus Amann (Leiter des Robert-Musil-Instituts Klagenfurt) über „Wehrmacht, Krieg und Desertion in der österreichischen Literatur nach 1945“ und skizziert die Reaktionen österreichischer Autoren auf das kriegsverklärende Klima. Im Anschluss liest Otto Tausig unter anderem aus den Werken von Ingeborg Bachmann, Janko Messner, Gerhard Fritsch und Michael Guttenbrunner, der offen über seine Erlebnisse als ehemaliger Wehrmachtssoldat Zeugnis ablegte. Bernhard Kern

Literaturhaus, Fr 19.30


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