Kritik

Es war einmal eine Hollywoodschaukel

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Sich bücken oder sich verbeugen: Wie auch immer jene Bewegung motiviert ist, in der die Nase auf die Kniescheibe zusteuert, Christian Ruschitzka hat dafür skurrile Behelfsobjekte zum Umschnallen geschaffen. „Krümmlinge“ nennt er seine prothesenartigen Gebilde, welche den menschlichen Bewegungsapparat in seiner Funktionstüchtigkeit unterstützen sollen.

Ob man durch Betätigen eines Hebels „mechanische Bilder“ in Gang setzt oder der Künstler selbst auf einem Eisblock sitzend Ruderübungen vollzieht, Bewegung ist das große Thema in dieser Schau. Ruschitzkas Arbeiten haben dabei oft den Anstrich absurder Versuchsanordnungen, deren Zielsetzung nicht immer klar ist. Etwa dann, wenn der Künstler, wie ein Video zeigt, einen an einer Angelrute befestigten Stein rotieren lässt, um ihn anschließend unter ein gelochtes Stück Blech zu legen. Gerade weil dieses so sonderbare Unterfangen mit großer Ernsthaftigkeit betrieben wird, wirkt es unweigerlich amüsant. Dabei ist Komik wohl gar nicht das Anliegen.

Dass es Ruschitzka nämlich vor allem um Transformationsvorgänge geht, in denen das Funktionale seiner Zweckdienlichkeit enthoben wird, veranschaulicht eine Reihe von zusammengepressten Objekten. Wären da nicht die Fotografien, die auf das ursprüngliche Aussehen der Gegenstände verweisen, man würde die Hollywoodschaukel und die Heumaschine nicht wiedererkennen.

Der materiellen Schwere dieser Arbeiten setzt Ruschitzka pastellfarbene, organisch anmutende Kunststoffverpackungen mit der Aufschrift „Creammaster“ (Schaumschläger) entgegen. Die Arbeit kann man nur als ironische Anspielung auf den opulenten Filmzyklus „Cremaster“ von Matthew Barney verstehen. Sie erschöpft sich jedoch in simpler Wortspielerei.

Lukas Feichtner Galerie, bis 24.10.


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