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Indiens Kunst zwischen Tradition und Moderne

Lexikon | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Inmitten einer Reihe von handgemalten Werbeschildern sitzt er da: Indiens Landesvater Mahatma Gandhi – meditativ, übergroß und mit Graffiti übersät. Der Mann, der das einfache Leben pries und seine Landsleute gegen westliche Lebensformen abzuschotten suchte, ist im Indien des Wirtschaftsbooms nur mehr ein Requisit aus dem Fundus an kulturellen Symbolen. Nichts anderes will uns das Setting von Probir Gupta sagen.

Gupta ist einer von sieben Kunstschaffenden, die der in Neu-Delhi lebende, amerikanische Galerist Peter Nagy bei Krinzinger unter dem Titel „Republic of Illusions“ zusammenführt. Nach Bangalore und Bombay, bildet nun Kunst aus der Hauptstadt des Subkontinents den Schwerpunkt der hier im Vorjahr begonnenen Ausstellungsreihe mit indischen Künstlern.

Während die Sammlung Essl zurzeit zeigt, dass Kunst aus Indien nicht nur in typisch indische Belange verstrickt ist, arbeiten die Protagonisten dieser Schau durchwegs indienspezifische Fragen auf. Pushpamala N. etwa inszeniert sich in ihren Fotografien als indische Göttin und als Ureinwohnerin, deren Kopfumfang zum Zweck ethnografischer Studien vermessen wird. Die Künstlerin analysiert derart ihre postkoloniale Identität, berührt aber auch Themen wie Fremdbild und Vorurteil. Anita Dube widmet sich den innenpolitischen, auf der Straße ausgetragenen Konflikten. Plakatwände für politische Kampagnen bilden die Basis für die Arbeit von Ram Rahman.

Unbedingt besuchen sollte man auch Krinzingers Dependance im siebten Bezirk. Hier setzt Bharat Sikka Angehörige der indischen Oberschicht fotografisch in Szene, während Mithu Sen in unterschiedlichen Medien Elemente der indischen Volkskunst mit europäischen Formensprachen verschmilzt. MJ

Galerie Krinzinger und Krinzinger Projekte, bis 17.10.


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