Kritik

Licht und Schatten, zeigen und verbergen

Lexikon | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Eine vergilbte Fotografie aus vergangenen Tagen: Sie zeigt einen kleinen Jungen. Wirkt er glücklich, traurig, gelangweilt oder angespannt? Wir erfahren es nicht. Denn jenes Moment, das uns an diesem Bild am meisten interessiert, ist im buchstäblichen Sinne überschattet.

Günter Parth verschleiert in seiner jüngsten Serie an Fotografien mehr als er zeigt. Für seine Arbeiten greift er auf alte Gemälde, historische Fotografien und Stiche zurück, die er speziell ausleuchtet und abschattet, um sie anschließend analog zu fotografieren.

Indem der Künstler mehr verbirgt als offenlegt, unterwandert er unsere Erwartungen an das fotografische Abbild. Denn selbst in Zeiten der digitalen Bildbearbeitungstechniken, in denen das Foto schon längst nicht mehr als authentischer Verweis auf die äußere Wirklichkeit taugt, verlangen wir einem Bild Dokumentationsgehalt ab. Diesen Anspruch aber lösen Parths Fotografien nicht ein. Das Interesse des Künstlers galt schon immer Bildern, die einen Raum für individuelle Vorstellungen eröffnen und damit einen Gegenpol zu visuellen Praktiken darstellen, die ein Image fördern oder erst kreieren. So war er auch im Rahmen kommerzieller Auftragsarbeiten stets an Verschiebungen interessiert, die das Irrationale berühren. Folgerichtig integriert er hier Bilder, die dem Buch „Diamond & Pearls“ entstammen. Entstanden im Auftrag des Modelabels Dolce & Gabbana, halten sie dessen Affinität zu glitzernden Stickereien fest. Parth setzte für die Aufnahmen eigens dafür angefertigte Puppen in Szene. Er gibt so dem Glamourösen den Anstrich des Verquerten und leitet derart wie in allen seinen Arbeiten subtil von der Realität in die Fiktion über. MJ

Galerie am Karmelitermarkt, bis 2.11.


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