Neu im Kino

Kinder auf der Flucht: „Little Alien“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Sie heißen Nura, Asha, Jawid, Achmad, Hishame, Ahmed, Juma, Alem. Sie kommen aus Somalia oder Afghanistan, aus Marokko oder der Ukraine. Sie alle leben ständig auf der Flucht. Sie alle warten auf positive Erledigung ihrer Asylverfahren, hoffen auf Europa. Und sie alle sind Kinder, noch keine 18 Jahre alt.

Es sind Leben im Ausnahmezustand, die Nina Kusturica in „Little Alien“ beschreibt, einer Dokumentation, die weit eindringlicher und packender über die beklagenswerte Verfassung der europäischen Wohlstandsgemeinschaft erzählt als ein Dutzend noch so gutmeinender und dramatischer Spielfilme. Die aus Mostar stammende Regisseurin, die bei Ausbruch des Bosnienkriegs selbst als Teenager nach Österreich gekommen ist, weiß nur zu genau, wovon sie mit großer Empathie spricht.

Wien ist ein Hauptschauplatz des Films, zwei Somalierinnen und zwei Afghanen sind seine zentralen Protagonisten. Die jungen Leute tun, was junge Leute halt so tun: Sie laufen durch die Stadt, sie kommen mit ihrem Taschengeld nicht aus, sie albern herum. Doch selbstverständlich ist das für Nura und Asha, für Jawid und Alem nicht. Einmal werden sie angepöbelt, ein andermal von der Polizei kontrolliert; und immer und immer wieder müssen sie bei irgendwelchen Behörden vorstellig werden.

Aufgrund des herrschenden Drehverbots bleiben tatsächliche Amtshandlungen ebenso ausgeblendet wie das Leben im Flüchtlingslager von Traiskirchen. Doch die Szenen in den diversen Beratungsstellen sind quälend genug. Ohne jede Polemik veranschaulicht Kusturica, nur anhand von Körpersprache und Sprechkultur, wie ein System hier scheitert: nicht an den oft sichtlich bemühten Leuten, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie unser gesellschaftliches Miteinander heute organisiert ist.

Ab Fr in den Kinos (OmU)


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