Kunst Kritik

Die Kapelle der Zelle

Steiermark | Herwig Höller | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Gott ist tot!“, meinte einst Friedrich Nietzsche. Aber woran könnte man dennoch glauben? Die Wiener Künstlerin Susanne Schuda hat mit ihrer Ausstellung „Die Zelle“ einen bestechend einfachen Vorschlag: die biologische Zelle. Diese sei der kleinste Teil ihrer Existenz, schreibt sie: „Ich folge ihrer Bestimmung. Sie ist das Leben.“ Folglich verwandelt Schuda das Studio der Neuen Galerie für ihre Medieninstallation gleich in einen Sakralraum, mit dunklen Wänden, Kerzen und Videos, die auch mögliches Religionsversagen andeuten. Denn die Zellreproduktion kann scheitern, und daraus resultieren dann unschöne Körpercollagen. Allerdings bleibt Schudas Neoreligion ästhetisch etwas flach – gute religiöse Inszenierung braucht Zeit. Bei den Katholiken waren es immerhin 2000 Jahre.

Neue Galerie, Studio, bis 1.11.


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