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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Der Kronjurist des Dritten Reichs

Carl Schmitt – noch immer genügt allein der Name, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenige andere Denker werden geächtet und geachtet wie er. Geachtet für sein scharfes Denken und seine klare Sprache, geächtet, weil er erzreaktionär geschrieben und sich als „Kronjurist des Dritten Reichs“ schamlos den Nazis angedient hat. Nun liegt ein Buch des deutschen Politologen Reinhard Mehring vor, das den öffentlichen Schmitt mit der Privatperson verbindet. Die Widersprüche, die sich dabei auftun, zeigen einen Mann, der privat lebte, was er „theoretisch exorzierte“, wie Mehring schreibt. Der tiefgläubige Katholik schlitterte von einer Liebesaffäre in die nächste. Verfolgte er Hitlers Machtergreifung noch mit Verwunderung, biederte er sich nur wenige Wochen später den NS-Herrschern an. Mehring urteilt darüber nicht, sondern verwendet Schmitts Tagebucheinträge gegen ihn selbst. Schmitt drängte auf Karriere, fühlte sich aber auch als Berufener, der


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