Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Bernhard Riedmann | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Wieso sollen wir mit Telering ums Geld feilschen, Herr Heine?

In einem Punkt ist es wohl besonders erfreulich, dass die 80er-Jahre längst vorbei sind: der Musik. Captain Sensible und sein Hit „Wot“ von 1982 sind gute Argumente für diese Ansicht. Nichtsdestotrotz nimmt der Mobilfunkbetreiber Telering diesen Klassiker in der aktuellen Werbekampagne zur Hand und lässt ihr etabliertes Werbetestimonial, den Inder, dazu rappen: „Ich sag 19, du sagst: ‚Was?‘“ Bei 15 dann die erlösende Antwort: „Gut, gekauft.“

Der Inder lässt also mit sich handeln, besser gesagt: der Mobilfunkbetreiber Telering. Die Idee dazu hatte Michael Heine, Mitbegründer der Werbeagentur Blink und „Erfinder“ des Inders: „Wir wollten nicht einfach einen neuen Tarif ankündigen. Wir dachten uns: Lasst die Kunden ein wenig Spaß haben!“ Spaß bedeutet: Beworben wird der alte Tarif, allerdings versehen mit dem Hinweis, dass bis zu 20 Prozent Preisnachlass verhandelbar sind. Die Gefahr, dass jemand mangels Talent im Feilschen einen teureren Tarif bekäme, könne er ausschließen. „Wir wollen ja keinen Ärger machen. Ökonomisch wäre das allerdings sicher clever“, meint Heine schmunzelnd. Die Mitarbeiter würden dem Kunden schon signalisieren, dass da im Preis noch was ginge. Auf der Seite www.telering.at findet sich zudem ein Schnellkurs in Sachen Tarifverhandeln.

Das Handeln passe einfach zum Inder, meint Heine. Zum einen, weil der Inder Klugheit und Weisheit ausstrahle, zum anderen, weil das Handeln im Herkunftsland der Werbefigur einfach weit verbreitet sei – zumindest laute so das vorherrschende Klischee. Heine ist sich sicher, dass die Kampagne gut für die Marke sei und deren Hauptfigur sich noch keinesfalls totgelaufen habe. Der Inder werde sich weiterentwickeln. Bleibt zu hoffen, dass das auch für dessen Musikgeschmack gilt.


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