Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Die beste Geburtstagssause der Welt der Woche

Feuilleton | Tex Rubinowitz | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Wie hat der Udo das gemacht?

In den 70er-Jahren des verwelkten letzten Jahrhunderts lieferten sich Udo Jürgens und Persil einen bizarren Wettbewerb. So wie heute das Geschirrspülmittel Somat jedes Jahr eine neue Funktion bekommt (in Italien gibt’s bereits Somat 10), so klemmten sich Persil und Udo die Jahreszahl hinter ihre Namen auf Packung beziehungsweise Platte.

Als „Udo 75“ erschien, da war er 41 Jahre alt. Alle Lieder dieser Platte sind vergessen („Sie könnte meine Tochter sein“), was damals in Persil war, weiß kein Mensch mehr, mehr Pulver, weniger Funktionen vermutlich, aber interessanterweise treffen sich beide dieses Jahr wieder: Persil kommt jetzt als Color Gel in einer 75-ml-Flasche, und Udo ist am Mittwoch letzter Woche 75 geworden.

Ihm wurde in Hamburg auf einer Operettenbühne – alle deutschsprachigen TV-Anstalten übertrugen live – eine große Sause ausgerichtet, die wohltuend unaufgekratzt und mit kenntnisreichen, undevoten Gästen befüllt war (wenn man von den Showeinlagen der Musicalclowns absieht). Selbst die ansonsten zähneziehend unerträglichen Gitarrenwürger aus München namens Sportfreunde Stiller lieferten eine okaye Version der Resignationsschnulze „Ich war noch niemals in New York“ ab.

Ein großes Geheimnis blieb ungelüftet, denn niemand fühlte sich berufen zu fragen: wie es dazu kommt, dass die letzte Silbe des Wortes Liebe in der Zeile „denn kein Meer ist so wild wie die Liebe“ von „Merci Chérie“ gleich dopppelt hörbar ist, in einer tiefen und einer hohen Frequenz. Wie hat der Udo das gemacht, 1966? Ist er ein Zauberer?

Ja, das ist er, und auch der zugespielte integre Peter Maffay, der das Lied „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ erklärte, kann Udo nicht entzaubern, er fasste diffus das Geheimnis zusammen, wie man in Würde altert, und würzte es mit dem besten Witz des Abends: „Die Botschaft des Liedes ist doch die, dass man, wenn man in dieses Alter kommt, sich nicht ins Hemd machen soll.“


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