Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Griechischer Bergkräutertee

Stadtleben | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Tee, vom kretischen Steilhang direkt in den Becher

In manchen Wiener Bobohütten ist griechischer Bergkräutertee, was in Berlin-Mitte oder im Münchner Glockenbachviertel die Bionade darstellt: ein Szenegetränk, das einem das Gefühl gibt, beim Trinken die Welt zu retten. Nur halt in warm. Ist es nicht herrlich, wenn sich hinter der Teetasse keine Abgründe auftun, kein böser Konzern, der die Leute fies behandelt oder Gift mischt? Zumindest geht man davon aus, wenn man versonnen mit dem Kräuterstängel im heißen Wasser rührt.

Angeblich wächst griechischer Bergkräutertee ausschließlich auf der schönen Insel Kreta: unberührte Natur, glückliche Menschen, die durch die Landschaft streifen, hie und da ein Kräutlein abzwickend. Langsamer geht’s ja wohl gar nimmer! Diese Idylle lassen wir einmal so stehen, bis uns jemand vom Gegenteil überzeugt. Und wundern uns lieber darüber, dass stets von Kräutern die Rede ist, wo es sich doch offensichtlich nur um ein einziges Kraut handelt (das sicher auch gegen allerhand Übel hilfreich ist).

Der Kräutertee vom Berg (der lateinische Name lautet Sideritis species), für den man nicht nur die Blätter, sondern auch Früchte und Blüten verwendet, ist reich an ätherischen Ölen, schmeckt manchmal frischer als Pfefferminztee und ist, wahrscheinlich weil er so hip ist, eine hübsche Abwechslung.

Wie man ihn selbst zubereitet? Ein bis zwei Teelöffel pro Tasse oder ein Zweiglein, kochendes Wasser drauf, fünf Minuten ziehen lassen. Und jetzt, bitte, doch eine Bionade! cw


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