Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Ein Fall für die Selbsthilfegruppe

Kurt Flecker kann nicht loslassen. Zuerst rückt das linke Aushängeschild der SPÖ freiwillig in die zweite Reihe, dann kritisiert er vom bequemen Landtagspräsidentensessel aus Parteichef Werner Faymann: Wenn man „die Wand nicht sieht, gehört der Führerschein entzogen“. Eine Einschätzung, die man nach der Serie an verlorenen Wahlen treffen kann und die insgeheim wohl auch viele Genossen teilen. Allerdings stößt Flecker auf wenig Unterstützung in den eigenen Reihen. Landeshauptmann Franz Voves, der einst federführend am Sessel von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer sägte, warf seiner ehemaligen linken Hand parteischädigendes Verhalten vor. Faymann nannte Flecker einen „Zerstörer“ und fand, die SPÖ sei schließlich keine „Selbsthilfegruppe“. Das kann allerdings noch werden, zumindest wenn es mit den Wahlergebnissen so weitergeht.

Auch die Parteijugend sorgte für Aufregung: Die Sozialistische Jugend Graz betitelte eine Kampagne mit dem Slogan: „Hiebe für die Reichen, Marihuana für das Volk“. Die Hiebe für die Reichen wollten die jungen Sozis freilich nicht als Gewaltaufruf, sondern als pointierte Kapitalismuskritik verstanden wissen. ÖVP-Jungpolitiker Bernd Schönegger sah darin einen „beispiellosen Politikskandal“, die Kronen Zeitung stimmte ein und schrieb, die SJ vergifte mit „politisch motivierten Gewaltaufrufen“ das Klima. Andererseits hatte Krone-Kolumnist Michael Jeannée am Wochenende kein Problem damit, Gift und Galle zu spucken. In einem Brief bezeichnete er Flecker etwa als „faulen Eierkopf“. Das sagt tatsächlich einiges aus – allerdings nicht über den Empfänger, sondern über den Verfasser. Diesem Mann ist nicht mehr zu helfen.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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