Fragen Sie Frau Andrea

Magie macht manches möglich

Kolumnen | aus FALTER 41/09 vom 07.10.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

im Titel Ihrer letzten Kolumne zappelte ein Begriff, der mir seither nicht mehr aus dem Sinn gehen will: das böse Wörtchen „Macht“. Liebe Frau Andrea, woher kommt die Macht?

Sara Beneder, Graz, per Elektropost

Liebe Sara,

Macht riecht nach Lederfauteuils hinter dicken Polstertüren, nach Managerschweiß unter Armanituch, nach der süßen Würzigkeit echter Cohibas und der polierten Nussfurnier teurer Limousinen. Macht kann vererbt sein, erkämpft, verteilt oder konzentriert. Viele fürchten sie, die meisten hätten sie gerne, und allen ist klar: Macht kommt von machen. Falsch. Macht kommt sprachgeschichtlich von mögen. Ist doch Macht dem Können und dem Wollen näher als dem Machen, dem Tun.

Jenseits der Kreidefelsen von Dover heißt Macht power, eine Entlehnung aus dem altfranzösischen poeir, po-(v)oir. Es ist neben puissance noch heute ein französisches Wort für Macht und entstammt dem lateinischen potere, „können“, „fähig sein“ oder „potent sein“.

Phänomenologisch ähnelt die Macht von Boni-Zauberern und Umfrage-Beschwörern jener der Magier, der Zaubermanager und rituellen Beschwörer. Der Magier kommt über das lateinische magus und das griechische mágos vom altpersischen magus, magusch und bezeichnet ein Mitglied der iranisch-medischen Priesterkaste aus dem Stamm der Mager oder Magier, die Herodot und Strabon als zoroastrische Sternkundige, Ärzte, Priester und Gelehrte beschrieben.

Die deutsche Sprache kennt den Magier vor allem als Zauberer, dessen Tun bei den Germanen noch taubra, taufra geklungen hat und das Schreiben einer magischen – einer mächtigen – Formel bezeichnete. Das Wort kommt vom teafor, dem Rötelstein, der gerieben jenes Rot ergab, mit dem die Zauberer die in Stein geritzten Runen ihrer Zaubersprüche einfärbten.

Die Mächtigen von heute dürfen wir weniger in den Politikern als in der Kaste der Wirtschaftsmagier, der Manager, CEOs, Aufsichtsräte und Firmenbosse sehen. Sie zaubern an Kursen und Quartalsberichten herum, hexen Firmenmerger herbei und murmeln in stock exchange parlance, die den ökonomisch Unkundigen wie schwarzmagisches Abrakadabra vorkommen muss.


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