Meinesgleichen

Wann haben Sie zuletzt eines Helden gedacht?

Falter & Meinung | aus FALTER 42/09 vom 14.10.2009

Das deutsche Feuilleton hat sie nicht nur dafür gelobt. Bei uns assoziiert man mit dem Begriff sowieso Rechtsextremes, von Strache bis zum Ulrichsberg. Die Zeitschrift Merkur und ihre Herausgeber Karl-Heinz Bohrer und Kurt Seel lassen sich von derlei nicht beirren und haben „Heldengedenken“ zum Thema ihres diesjährigen Sonderhefts gemacht.

Mit folgender Begründung: „Die Abneigung gegen Heldentum ist keine Nebensache, sondern essenziell für postheroische Gesellschaften, und daraus resultiert auch der sprachpolitische Versuch, Zivilcourage als das nettere Wort zu lancieren. Denn der eigentliche Skandal des Heroischen wird im Lauf der Zeit nicht kleiner, sondern wächst: Man kann den Helden immer weniger dulden, weil er das Prinzip der Gleichheit radikal infrage stellt – er ist eben kein Mensch wie du und ich. Das ist unverzeihlich, und deswegen sollen heutzutage Helden, wenn es sich nicht gerade um kindgerechte Supermänner oder brave Katzenretter handelt, nicht mehr bewundert, sondern nur noch entlarvt und destruiert werden. Aus Geschichten der Größe sind solche des Schwindels und der Macht geworden.“

Die Beiträge reichen von der Brutalität ausländischer Jugendlicher, die einen Münchner Rentner fast umbrachten, bis zu Helden der Literatur wie Achill oder Don Quichotte und zu Heldenepen unserer Tage, Western, „Star Wars“ und Spionen. Die Kärntner Variante der Heldenverehrung, jene Jörg Haiders, kommt nicht vor.

Quelle:

Heldengedenken. Über das heroische Phantasma. Merkur 9/10 (2009), Klett-Cotta Verlag


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige