Reisende auf einem Bein

Feuilleton | aus FALTER 42/09 vom 14.10.2009

Schreiben statt Schweigen: Herta Müller gewinnt den Literaturnobelpreis

Würdigung: Sigrid Löffler

Die Biografie ist das Kostbarste, oft das einzige Gepäck des Flüchtlings – neben seiner Sprache. Als Herta Müller 1987 aus Rumänien in die Bundesrepublik ausreisen durfte, da hatte sie alles dabei, womit sie ihr Leben als Schriftstellerin fortan bestreiten würde: ihre Erfahrungen mit der Diktatur unter Nicolae Ceausescu und ihr besonderes Deutsch („mein Minderheitendeutsch“), um diese Erfahrungen zur Sprache zu bringen.

Es war der wortkarge Dorfdialekt, das Enklavendeutsch der Banater Schwaben, wie es in ihrem Geburtsort Nitzkydorf gesprochen wurde, jedoch ins Schulhochdeutsch umgeformt am Gymnasium von Temesvár und gefiltert durch die rumänische Sprache, die Herta Müller mit 15, ab 1968, zu erlernen begann. Die Metaphorik des Rumänischen („Ihre Vertracktheiten waren sinnlich, frech und überrumpelnd schön“) hat ihrer Sprache andere Bilder – „andere Augen“ – eingesetzt:

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