Nüchtern betrachtet

Im Prinzip bin ich ja fürs Nettsein

Feuilleton | aus FALTER 42/09 vom 14.10.2009

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Kein einziges meiner „starken Worte“ (wie meine Frau leicht verstört anmerkte) aus meiner letztwöchigen Tourette-Kolumne nehme ich zurück. Steht ja schon in der Bibel: Nicht lau herumlabern! Einerseits. Andererseits bin ich natürlich auch ein Mann des Ausgleichs, ein harmoniesüchtiger Homöostatiker, immer auf Equilibriumseffektivierung bedacht, und wenn zu viele Labertaschen im Raum sind, kann ich sogar wortkarg werden. Insofern, und weil ich meinen Zorn ja ohnedies kolumnistischer Katharsis – jetzt reicht’s aber auch wieder mit den Fremdwörtern, du logorrhoischer Schmock! – zuführen konnte, will ich diesmal wieder freundliche Nasenlöcher machen, so anmutig wie die der Jersey-Kuh. Im Prinzip bin ich nämlich pro Nettigkeit. Die Netten haben freilich ein Imageproblem: Sie werden meist nur halbherzig gelobt („eh nett!“), zugleich aber nicht für ganz voll genommen. Man hält

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