Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 42/09 vom 14.10.2009

Christopher Wurmdobler hat überhaupt nichts gegen neue Geschäftsmodelle

Hündchenspieler und andere Nervensägen

Bei den plötzlich herrschenden Minusgraden da draußen rückt unser liebes Städtchen atmosphärisch noch ein wenig mehr Richtung Ostblock und Mangelwirtschaft. Vielleicht liegt’s auch an der Krise, aber findige Menschen scheinen in Zeiten wie diesen noch auf Geschäftsideen zu kommen. So wie der Typ, der neulich auf der Mariahilfer Straße eine Telefonzelle (!) zum Zoogeschäft machte und den Passanten Welpen zum Kauf anbot. Oh, ein Hündchenspieler! Oder jene Start-up-Unternehmer, die den Leuten auf dem Naschmarkt fabrikneue, original verpackte Kreissägen (!) entgegenhalten: Brauchst du Säge? Hast du Nerven. Natürlich sind so fliegende Händler irre praktisch, wenn man gerade auf dem Weg zum Kindergeburtstag ist, oder die Oma 100 wird und man noch kein Geschenk hat. Man will ja nicht immer raubkopierte Eddie-Murphy-Filme oder angewelkte Rosen mitbringen. Andererseits: So muss es im Nachkriegswien auf dem Schwarzmarkt zugegangen sein. Kann man Sägen und junge Hunde auch mit Nylonstrümpfen, Tafelsilber oder Zigaretten bezahlen?


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