Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Länger-Frisch-Milch

Stadtleben | aus FALTER 42/09 vom 14.10.2009

Nein, bei ESL-Milch handelt es sich nicht um Milch von Eseln

Seit geraumer Zeit findet sich in den Kühlregalen der Supermärkte neben Frischmilch auch Länger-Frisch-Milch, wie geht das denn? Mit H-Milch im herkömmlichen Sinne hat das neue Molkereiprodukt nämlich nichts zu tun, auch wenn diese Milch bis zu vier Wochen länger haltbar ist als herkömmliche, allerdings gekühlt. Die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) sagt nun, Länger-Frischmilch sei alles andere als frisch. Vor allem, weil für den Haltbarmachungsprozess die Milch erst in mehrere Bestandteile zerlegt, auf unterschiedliche Arten (erhitzen, filtern ...) haltbar gemacht und dann wieder zusammengefügt wird. Manche führen gar Unverträglichkeiten und Lactose-Allergien auf die neue Technologie zurück.

Die FET rät jedenfalls: lieber zur normalen Milch greifen, damit diese am Ende nicht noch aus den Geschäften verschwindet. Denn tatsächlich suggerieren Slogans wie „Länger frisch genießen“, dass sich das Produkt auch geöffnet lange hält. Im Kleingedruckten steht aber: innerhalb von 3 Tagen nach dem Öffnen aufbrauchen. Oder so.

Der Frischeschmäh nutzt also nur dem Handel, der somit ein leicht verderbliches Produkt länger im Kühlregal lagern kann. Das hätten wir auch gleich merken können. Die Länger-Frisch-Milch – die übrigens genauso gut oder fad wie ihre pasteurisierte Schwester schmeckt – heißt unter Profis auch ESL-Milch. Die Abkürzung ESL steht für „extended shelf life“, ausgedehntes Regalleben. Und das ist uns alles andere als egal. cw


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