Phettbergs Predigtdienst

Kläglich schrie meine einzige Fliege!

Kolumnen | aus FALTER 42/09 vom 14.10.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Kläglich schrie meine einzige Fliege! Als ich schiss! Seit ich mittags und abends die Kost des Krankenhauses ess, hab ich jeden Tag wunderschöne Würste gekotet. Wie von Steinmetzys gebildet. Und da kotete ich in dem Moment und hörte meine einzige Fliege jämmerlich klagen. Du musst dir vorstellen, du lebst ganz allein als einzige Fliege, dein Leben lang immer allein. Aber Fliegen leben doch angeblich nicht sehr lang? Ganz stolz achte ich ja darauf, dass in meine Wohnung keine Fliegen hereinkommen. Die schreiende Fliege muss also noch vom Jahr 2008 sein?

Fliegen, die sich so gern auf meine Haut setzen, kann ich nicht leiden. Mein Vata hat die totale Begabung gehabt, alle Fliegen zu erschlagen. Auf einen Schlag waren etliche dahin. Und er war darauf mächtig stolz. Ich konnte nie Fliegen treffen! Ich war immer ein Jammerabbild meines Vatas. Ich träume davon, dass „http“ uns eine Ewigkeit lang selbst bilden müsste und dass wir dann ewig leben werden. Denn so lange es keine Gottheit gibt, müssen wir („http“) uns selbst eine Gottheit schaffen.

Wie die Fliege keine Fortsetzung findet, fand ich auch keine. Nie liiert gewesen, nichts, ich! Meine Eltern kriegten mich noch als Wurmfortsatz, und ich lieg jetzt allein da und kann nur mehr schlafen. Ich, der Siebenschläfer. Und die einsame Fliege. Ich hör die ganze Zeit nur mehr Krähen schreien. Und eine einzige Fliege. Nach dem dritten Schlaganfall hörte ich noch Singvögel singen, jetzt aber ist es auch damit aus. Sind alle Vögel schon nach Afrika geflogen? Und nur die Tauben und die Krähen bleiben den Winter über? Was für ein mysteriöses Jahr!

Wenn ein Mensch blutjung ist, sind alle in ihn verliebt. Sie sind total überrascht, dass es „ihn“ gäbe. Wir sind ganz baff bei der ersten Begegnung und denken an ein Wunder. Erst im Gewohntwerden kommen die Enttäuschungen. Dass auch wegen meiner jemand voller Verwunderung mich bestaunte, kam mir erst jetzt. Doch jetzt bin ich „uralt“. Niemand ist mehr ob meiner überrascht. Und wieder kann ich nichts glauben. Doch in der Sekunde der ersten Begegnung passiert diese wundervolle Begegnung: „sogar ob meiner!“ Wenn ich einen mir Unbekannten treffe, kann ich mich an ihm nicht sattsehen.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

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