Performance Kritik

Das theatercombinat schickt uns in den Krieg

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Das theatercombinat ist eine Gruppe mit strengen Prinzipien. Guckkastenbühne? Viel zu hierarchisch. Text? Nur als „Material“. Schauspieler? Ja, aber sie sollen um Gottes willen keine Rollen spielen! Dramaturgie? Ganz wichtig – allerdings nicht im Sinne von Spannungsbögen oder anderen oberflächlichen Theatereffekten. Pause? Gern – aber bitte nicht während der Vorstellung!

Derzeit bespielt das theatercombinat die riesige Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik in Favoriten. Mit vier weiblichen und drei männlichen Darstellern (darunter die Choreografen Doris Uhlich und Paul Wenninger) inszeniert Regisseurin Claudia Bosse eine Art Zusammenfassung ihrer Serie „Tragödienproduzenten“; die in den letzten Jahren zur Aufführung gebrachten Stücke – Shakespeares „Coriolan“, Racines „Phädra“, Jelineks „Bambiland“ und „Die Perser“ des Aischylos – kommen hier zusammen. Dass die „Perser“ vor genau 2481 Jahren uraufgeführt wurden, muss man wissen, um zu verstehen, warum der Abend in der Ankerbrotfabrik „2481 desaster zone“ heißt.

Gemeinsames Thema der zu einer „multihybriden fiction“ collagierten Texte ist der Krieg, vom Krieg der Geschlechter („Phädra“) bis zum Bürgerkrieg („Coriolan“), von der antiken Schlacht bei Salamis („Die Perser“) bis zum modernen Irakkrieg („Bambiland“). Die Akteure sprechen nicht nur – angenehm pathosfrei – ihre Texte, sie schieben auch die Zuschauer, die auf fahrbaren Podesten sitzen, durch den Raum, der auf diese Weise im wahrsten Sinn des Wortes erfahrbar gemacht wird. In seiner rigiden Form hat die minutiös durchkomponierte und doch spannungsfreie Inszenierung einerseits etwas Imponierendes. Andererseits beschleicht einen während der drei langen Stunden zwischendurch auch das Gefühl, dass dieses Theater im Grunde gar kein Publikum braucht. Auf jeden Fall sollte man sich warm anziehen.

Ankerbrotfabrik, Fr, Sa 19.30, So 17.00, Mi 19.30


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