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Wenn das Kino in den Kunstraum wandert

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Namhafte österreichische Experimentalfilmer wie u.a. Peter Kubelka, Kurt Kren, Peter Tscherkassy und Martin Arnold lassen oft vergessen, dass es längst eine jüngere Generation gibt, die auf ihre Weise mit den Konventionen des filmischen Mediums bricht. Die Ausstellung „Cineplex“ sei deshalb all jenen empfohlen, die sich diesbezüglich auf den aktuellen Stand bringen wollen. Sieben Filme haben Norbert Pfaffenbichler und Lotte Schreiber, die selbst an der Schnittstelle zwischen Kunst und Film arbeiten, ausgewählt. Präsentiert werden die einzelnen Beiträge in Black Boxes, die Idee des Multiplexkinos aufgreifend.

Thematisch wie technisch ist der Bogen weit gespannt. Dariusz Kowalski montiert Aufnahmen von Überwachungskameras zu einem 55-minütigen „Optical Vacuum“. Dietmar Offenhuber abstrahiert Kubricks Kriegsdrama „Paths of Glory“ zu einem abstrakten Datengemenge. Johann Lurf greift auf Hitchcocks „Vertigo“-Effekt zurück und erzeugt dadurch schwindelerregende Ansichten eines Waldstücks.

Rücken einige Künstler die Verwendung digitaler Techniken in den Vordergrund, so beziehen sich andere auf ikonografische und dramaturgische Aspekte des Mediums. Lotte Schreiber etwa führt in historisierendem Schwarzweiß durch das römische Vorstadtviertel Don Bosco, in dem schon Pasolini „Mamma Roma“ und Fellini „La Dolce Vita“ drehten. In Anja Krautgassers Sechsminutenstreifen tastet die Kamera eine Außenfassade ab, während eine weibliche Stimme aus dem Off Zitate aus Filmklassikern liest.

Insgesamt bietet die Schau einen konzentrierten Einblick in die Vielseitigkeit eines Genres, das sonst oft in den Festivalbereich abgedrängt wird. Man wünscht sich mehr dergleichen.

Secession, bis 8.11.


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