Neu im Kino

„Horror in Orphan“: Die Konservativen kommen!

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Die Werbung sagt: „Konservativ liegt voll im Trend!“ Das Kino weiß: Das ist der Horror. Der kanadische Schocker „Orphan – Das Waisenkind“ zeigt Normalos, die vom „Anderen“ heimgesucht werden, wie üblich. Nur heißt normal hier liberal, und das Andere ist ein Waisenmädchen, das aussieht wie Charlotte Roche im BdM-Styling; ihre konservative, zwangsbrave Art verstört ihre Upper-Middle-Class-Adoptiveltern.

Erst zelebriert der Film die Panik der Lockeren, denen heute eine neue Benimm-Moral an den Lifestyle will. Dann geht er über in rassistische Angst vor Verunreinigung westlicher Familiensubstanz: Die Eingenistete hat eine dunkle Herkunft aus Osteuropa. Am Ende ist ihr Terror gegen reiche Gastgeber noch als Klassenfantasie lesbar. Hier wird alles ganz deutlich: Jaume Collet-Serra (auch in seinem „House of Wax“ hauste Horror hinter konservativen Fassaden) inszeniert Spannung so, dass wir merken, dass er weiß, dass wir wissen; Vera Farmiga und Peter Sarsgaard (die Eltern) spielen fast schon zu gut. Fazit: Gebrauchsgrusel, ja; aber so, dass es uns bei Gebrauch schüttelt.

Ab Fr in den Kinos


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