Neu im Kino

Viele gute Beispiele: das Drama, ,Crossing Over“

Lexikon | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

An Wayner Kramers Ensemblefilm „Crossing Over“ ist alles gut gemeint, mit Betonung auf „gemeint“: Jedes Bild ist „gedacht“ zum Zweck, etwas deutlich zu machen (so sehr, dass der Umweg über eine bildförmige Erfahrung entfallen kann).

Und zwar was? Dass das Bestreben, in Amerika einzuwandern, US-Staatsbürgerschaft oder legalen Aufenthaltsstatus zu erhalten, ein Komplex ist, der verschiedenste Leute hinterrücks miteinander vernetzt: die kesse Australierin, die sich ihre Greencard durch Sex mit dem Einwanderungsbürokraten erkauft; die Muslima, die im Schulreferat die 9/11-Anschläge zum Teil gutheißt und dafür die Härte der Homeland Security zu spüren bekommt; deren Anwältin (just Gattin des Greencard-Bürokraten), die ein afrikanisches Baby adoptieren will; den aus dem Iran stammenden US-Grenzpolizisten, der in einen Ehrenmord an seiner freizügigen Schwester und auch noch in Gang-Gewalt von Koreanern der zweiten Generation verwickelt wird; mittendrin Harrison Ford, alt und matt, wie es seine Rolle erfordert, als Offizier der Grenzpolizei, der beim Abschieben mexikanischer Mütter gern auch das Herz sprechen lässt.

Wie in „L.A. Crash“ dienen sie alle als „gute“, eben bloße, Beispiele zur Inventarisierung eines „sozialen Themas“ mit seinen Ethnovarianten. Wenn am Ende, nach etlichen Helikopterbildern von auch nicht ganz unsymbolischen Autobahndeltas (Überkreuzungen!), zu ostentativ bitterer Parallelmontage von Migrationsmiseren die US-Hymne erklingt, haben sich beim „Crossing Over“ alle schuldig gemacht – mit Ausnahme Fords und der Anwältin; die sind weiß, wissend und edel. Und das ist dann eigentlich eher ungut gemeint. DR

Weiterhin in den Kinos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige