Ohren auf!

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Dass jenes Schlüsselwerk, welches er sehr viel später als sein Opus 1 bezeichnen sollte, auf lange Zeit nicht in Deutschland gespielt werden würde, war dem jungen Komponisten von Anfang an bewusst: 1933 schrieb er sein 1. Streichquartett – „bei der ersten Judenverfolgung“, wie er anmerkte. Und: „Das Thema vom Fugato des 1. Satzes ist ein jüdisches Volkslied.“

Karl Amadeus Hartmann (1905–1963) war der integerste Komponist im Dritten Reich. Als Enfant terrible der Münchner Musikszene hatte er in den wilden 20ern Futurismus, Dada und Jazz kombiniert. Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 aber legte er seine vielversprechend begonnene Karriere auf Eis, flüchtete sich in seiner „Hoffnungslosigkeit gegenüber der absoluten geistigen Leere im Land“ in die „entsetzliche Leere der inneren Emigration“.

Zwölf lange Jahre folgte Hartmann zwar dem Bedürfnis, mit seiner Musik ein humanistisches Bekenntnis abzulegen, das eigene Erleben der Terrorherrschaft zu schildern. Doch


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