TheaterKritik

Nie wieder Sex: Macht das froh?

Steiermark | Marie Gamillscheg | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Mit neuem Logo und Programmveränderungen meldet sich das TAO. in der neuen Saison, die es unter das Motto „glauben“ gestellt hat, mit der Eigenproduktion „Das heilige Kind“ zurück. Simon Windisch, der auch Leiter der neuen Theaterwerkstätten ist, zeigt junge Liebe der etwas anderen Art: Marianne (Tilla Rath) und Jonathan (Benjamin Urwalek) wollen gegen den Strom schwimmen und entscheiden sich für Enthaltsamkeit – kein Sex, bis „der richtige Moment kommt“. Doch gerade, als sie anfangen ihre ungezwungene Beziehung zu genießen, wird Marianne schwanger, an eine „unbefleckte Empfängnis“ können aber beide nicht glauben. Von oben herab kommentiert das „heilige Kind“ (Moritz Osta-nek) deren Liebesleben und drängt die beiden zu seiner Geburt, über die sich Jonathan am Ende, beeinflusst von seinen Eltern, nicht mehr wirklich freuen kann und sogar an seiner Liebe zu Marianne zweifelt.

In schlagfertigen Gesprächen, die die Schauspieler immer wieder direkt ans Publikum richten, beleuchtet Windisch die Angst vor dem ersten Mal, den Umgang mit Sex und die Freude an der gemeinsamen Enthaltsamkeit, zeigt so eine Thematik, die oft mit erhobenem Zeigefinger behandelt wird, von einer humoristischen Seite und unterstreicht diese auch durch originelle musikalische Einlagen (Robert Lepenik). Diese werden von den jungen Akteuren, die sich sichtlich wohl auf der Bühne fühlen, selbst interpretiert und schaffen es, das Publikum zum Lachen zu bringen, ohne die Situation zu überreizen. Vor allem Tilla Rath überzeugt durch ihre Lebensfreude und ihren Enthusiasmus, doch auch der junge Moritz Ostanek agiert als gottähnliche Figur souverän.

Nach einem ungewöhnlichen Theaterabend lassen die Schauspieler die Zuschauer mit der ironischen Aussage „Nie wieder Sex macht froh“, der Titel des finalen Ohrwurms, zurück und präsentieren ein etwas anderes Jugendbild, das sich wieder an der Enthaltsamkeit erfreuen kann.

Theater am Ortweinplatz, 22.10., 19.00


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