MusiktheaterKritik

Spät, aber doch: ein Superklassiker an der Oper

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Glücklich die Österreicher, die „The Sound of Music“ zum ersten Mal an der Grazer Oper erleben. Zu einem Zeitpunkt, da die meisten Menschen den Musicalschauplatz Österreich 1938 nicht mehr bewusst selbst erlebt haben, kann man das Bühnenstück, das wie kein anderes von den USA bis nach Japan das Bild der Alpenrepublik geprägt hat, offenbar auch in der einstigen „Stadt der Volkserhebung“ zeigen. Die erste österreichische Originalproduktion dieses Broadway-Superklassikers von Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein (Text) übernahm die Grazer Oper von der Wiener Volksoper, wo sie – sensationell spät – 2005 herauskam. Während der Ruhm des Musicals in Salzburg neben Wolfgang Amadé die Kassen klingeln lässt, kennen die meisten Österreicher das Musical über sie nicht.

Diese bezaubernde Inszenierung von Renaud Doucet zum wunderbaren Bühnenbild von André Barbe, das die Skyline des Salzburger Untersbergs stets gegenwärtig hält, konnte in Graz erfolgreich übernommen werden. Kitsch spielt hier höchstens eine Nebenrolle. Etwa, wenn die Mutter Oberin (Fran Lubahn) des Klosters Nonnberg am Ende des ersten Akts für die scheidende Novizin Maria (Sieglinde Feldhofer) und am Ende des Musicals für die flüchtende Trapp-Familie „Folge dem Regenbogen“ orgelt – in Wagner’schem Pathos, das Fran Lubahn stimmlich bestens vermittelt. Rührend und witzig singen und spielen die Trapp-Kinder aus der Grazer Opernsingschul’, Starlike spielen die Grazer Philharmoniker unter Marius Burkert. Die Hauptdarsteller lassen stimmlich noch Wünsche offen: mehr Dynamik bei Sieglinde Feldhofer als Maria von Trapp, etwas weniger Steifigkeit bei Boris Pfeifer als Kapitän von Trapp.

Grazer Oper, Fr, Sa u. Mi 19.30, So 15.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige