KunstKritik

Sublime Projektionen und Flamenco

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Aus heutiger Sicht baute der auf Mallorca geborene Gelehrte Ramon Llull (1232–1316) mit den Drehscheiben zur Kombination von Begriffen und logischen Operationen in seiner Abhandlung „Ars Magna“ wohl den ersten Computer, lieferte einen weit später wieder aufgegriffenen Anstoß zur Entwicklung einer Computersprache oder eine erste binäre Codierung. Kein Wunder, dass er, wie die Ausstellung „Der diskrete Charme der Technologie“ in der Neuen Galerie veranschaulicht, als Säulenheiliger spanischer Medienkunst gehandelt wird. Claudia Giannetti hat gemeinsam mit Antonio Franco Domínguez und Peter Weibel eine ursprünglich für das Museum zeitgenössischer Kunst MEIAC in Badajoz und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe gedachte Wanderausstellung konzipiert, die nun, in etwas abgeschlankter Form, in der Neuen Galerie Station macht und an immerhin noch 40 Positionen die Geschicke spanischer Medienkunst umkreist.

Angenehmerweise geht es dabei weniger darum, die Medienkunst disziplinär abzugrenzen, als darum aufzuzeigen, wie sehr technologische Verfahren, wie etwa auch Ramon Lulls Drehscheibentechnik unterschiedliche Sparten bildender Kunst beeinflusst haben. Das schließt so bestrickend einfach konzipierte und dennoch enorm wirkmächtige Beiträge mit ein wie die Installation „Soliloquy on Happiness“ von Francesc Torres, wo die Luster im Spiegelsaal der Neuen Galerie zu morsenden Maschinen werden oder Eugènia Balcells mysteriöse Projektion einer sich drehenden Plastikflasche in „On and On“. Dass auch der Tanz als Medium des Geschlechterkampfs beleuchtet wird, versteht sich fast von selbst.

Neue Galerie, bis 1.11.


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